Behinderung und Entwicklungs­zusammen­arbeit e.V.

Online-Konsultation "Wie soll die Welt von morgen aussehen?"

bezev führte im November 2013 eine online-Konsultation durch um herauszufinden, wie nach Ansicht der TeilnehmerInnen eine inklusive Zukunft aussehen soll. Dabei standen die Fragen im Vordergrund, welche Barrieren künftig überwunden werden müssen und welche Themen für die Zukunft besonders wichtig sind.
Die Teilnehmenden sehen Barrieren als wichtigsten Hindernis für eine inkluisve Welt von morgen. Nur eine Welt ohne Barrieren ist demnach zukunftsfähig.

Bildung

Die wichtigste zu überwindende Barriere muss der gleichberechtigte Zugang zu Bildung auf kultureller, struktureller und finanzieller Ebene sein, denn nur wer Zugang zum Bildungssystem hat, kann sein Potenzial und seine Fähigkeiten entfalten. Zusätzlich trägt Bildung zur Armutsbekämpfung bei. Die offensichtlichste Barriere hinsichtlich des Zugangs zu Bildung besteht schon darin, dass Menschen mit einer Behinderung der Zugang zu Schulgebäuden verunmöglicht wird. Zusätzlich sind Lehrkräfte nicht hinreichend geschult, um mit Menschen mit einer Behinderung angemessen umzugehen, die Raumgröße stellt ein Problem dar oder eine individuelle Förderung kann nicht gewährleistet werden. Zudem bleiben wichtige Finanzierungsfragen ungeklärt, die die vollständige Teilhabe an gesellschaftlichen Fragen verhindern; dementsprechend müssen klare gesetzliche Regelungen geschaffen werden, um beispielsweise zu klären, wer den/die Gebärdensprachdolmetscher/in finanziert. „Für die bürgerschaftlichen Engagements von Gehörlosen sind keine Gelder für die Dolmetscher freigegeben.“

Arbeit und Mobilität
Die neue Entwicklungsagenda richtet sich auf die Schaffung von Arbeit, die notwendigerweise sowohl die Existenzsicherung gewährleisten kann als auch menschenwürdig und selbst gewählt ist. Der DGB (Deutscher Gehörlosen Bund) geht sogar so weit, dass Gehörlose als Projektleiter fungieren, um eine selbstbestimmte Entscheidung über die Arbeitsbereiche treffen zu können und an der Gestaltung von Arbeitsprojekten gleichberechtigt mitwirken zu können. Schließlich macht Arbeit einen Teil der persönlichen Identität aus. Hintergrund dieser Bestrebung ist die Tatsache, dass viele Gehörlose arbeitslos sind und häufiger Opfer von Diskriminierung werden, weil viele Vorurteile vorherrschen und somit unter die Rubrik „Barrieren in den Köpfen“ fallen. „Arbeitslosigkeit ist […] (nicht nur in unserer wirtschafts- und markteffizienz- orientierten Gesellschaft ein wesentlicher Exklusionsfaktor und trägt zu Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit bzw. Abwertung von bestimmten Personengruppen bei.“ Die Grundlage, um einer geregelten Arbeit nachgehen zu können, ist Mobilität. Eine körperliche Beeinträchtigung darf die Mobilität nicht einschränken, denn sie ist Voraussetzung für eine Teilnahme am Alltags- und Berufsleben.

Gesundheit
Ein Bewusstseinswandel muss auch bei allen deutschen Hilfsorganisationen stattfinden und die Expertise eingeholt werden z.B. vom Deutschen Gehörlosen-Bund e.V., um den Bedürfnissen von in diesem Fall hörbeeinträchtigten Menschen näher zu kommen. Hieran knüpft sich die inklusive Gestaltung des Gesundheitssystems. Was gesamtgesellschaftlich gilt, das gilt in diesem Sektor im Besonderen für das medizinische Personal: Es muss Aufklärungsarbeit geleistet werden über alle Ausprägungen von Behinderung.

Ernährung
Mangel- und Fehlernährung haben einen großen Einfluss auf die Gesundheit des Menschen. Durch unzureichende Ernährung können Behinderungen entstehen. „20% aller Behinderungen weltweit sind  eine Folge von Unterernährung. Jeder fünfte Mensch, der in absoluter Armut lebt, hat eine oder mehrere Behinderungen.“

Um welche Barrieren es sich schließlich handelt, ist von nachrangiger Bedeutung; „[w]ichtig ist bei allen oben genannten Maßnahmen die Einbeziehung von Zivilgesellschaft, Experten und Selbsthilfegruppen, d.h. eine Kooperation zwischen Staat, UN und Zivilgesellschaft.“

Abstimmungsergebnis
Gemäß der textlichen Gewichtung hat die Online-Konsultation ergeben, dass Bildung als Schlüssel dafür angesehen wird, eine inklusive Gesellschaftsform zu entwickeln. Grundsätzlich gibt es noch in vielen Bereichen Barrieren, die abgebaut werden müssen, um diese Zielsetzung in die Tat umzusetzen; hier ergaben sich vor allem die Barrieren hinsichtlich Mobilität, Gesundheit und Umwelt und Nachhaltigkeit. Die Frage nach der Verantwortlichkeit stellte sich in der Online-Konsultation und hat ergeben, dass Zivilgesellschaft, Experten und Selbsthilfegruppen näher zusammenarbeiten müssen, um einen regen Austausch der Expertise zu gewährleisten und sich so eine Kooperation zwischen Staat, UN und Zivilgesellschaft herausbilden muss.