Behinderung und Entwicklungs­zusammen­arbeit e.V.

Inklusive Schulbildung und berufliche Ausbildung in Uvira, Kongo

Für Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderung: Auslandsprojekt von bezev und ADED in Uvira zur schulischen und beruflichen Inklusion.

Vor beinahe einem Jahr fiel der Startschuss für unser bisher umfangreichstes Auslandsprojekt. Gemeinsam mit unsererm Projektpartner ADED arbeitet bezev daran, eine inklusive Bildung in der Grundschule Saint-Pierre zu ermöglichen und die berufliche Ausbildung für Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderungen im Kasenga-Viertel in Uvira (Kongo) zu fördern. Was ist also seitdem alles passiert? 

  • Es wurden 110 Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderung identifiziert, die entweder in die Schule oder das Ausbildungsprogramm integriert wurden.
  • Die Barrierefreiheit in der Grundschule wurde verbessert. Es wurden mehrere kleine Baumaßnahmen vorgenommen, um Kindern mit Behinderungen den physischen Zugang zum Schulgebäude zu erleichtern. Zum Beispiel wurden neue, sichere und barrierefreie Schultoiletten errichtet. Außerdem wurden 15 Kinder mit Behinderungen mit Hilfsmitteln (z.B. Brillen) ausgestattet, die sie für eine erfolgreiche Teilnahme am Unterricht benötigen.
  • Die Haushalte der Kinder und Jugendlichen mit und ohne Behinderungen wurden in Selbsthilfegruppen organisiert. Dort haben sie ein "Safe Space", ein Unterstützungssystem. In verschiedenen Workshops erhalten sie Informationen zu den Rechten von Menschen mit Behinderungen und werden wirtschaftlich geschult. Sie tauschen sich aus, vernetzen sich und entwickeln organisatorische sowie berufliche Kompetenzen.
  • 110 Haushalten wurde Kapital zur Verfügung gestellt, um eine einkommensschaffende Tätigkeit zu starten, die zur finanziellen Stabilisierung beiträgt.
  • Das Bewusstsein von Gemeindevorstehern, Bildungsbeamten, Lehrpersonal der Saint-Pierre-Grundschule, Eltern und der lokalen Bevölkerung in Uvira wurde für Behinderungen, Rechte für Menschen mit Behinderung, Inklusion und inklusive Bildung geschärft. ADED schätzt, dass ca. 40 % der Bevölkerung in der betroffenen Region nun zu solchen Themen sensibilisiert ist.
  • Die Coronapandemie hat die Projektumsetzung in verschiedenster Weise verkompliziert. Die Bevölkerung ist fast vollständig ungeimpft und trifft dazu auf fehlende Testkapazitäten und eine hohe Dunkelziffer bei den Infektionen mit COVID-19. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von ADED müssen bis heute ohne vollständigen Impfschutz arbeiten.
  • Aber es wird auch immer klarer, dass es ein langer Weg ist, Stigmata in der Gesellschaft vollständig abzubauen und allen Kindern und Jugendlichen eine inklusive und qualitativ gute Bildung zu ermöglichen.

Wollen Sie unsere Arbeit in der Demokratischen Republik Kongo unterstützen? Wir freuen uns über jeden Spendenbetrag:

IBAN: DE 62370205000008040704 

BIC: BFSWDE33XXX (Köln)

Stichwort: Spende DR Kongo

Einigen Projektbegünstigten wurden Dreiräder zur Verfügung gestellt, damit ihre Mobilität und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben verbessert wird.

Einigen Projektbegünstigten wurden Dreiräder zur Verfügung gestellt, damit ihre Mobilität und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben verbessert wird.

Hintergrundinformationen zum Projekt

Zur Partnerorganisation:

Appui au Développement de l'Enfant en Detresse (ADED) ist eine im Jahr 2000 gegründete Entwicklungsorganisation mit dem Ziel, benachteiligte und vulnerable Kinder durch eine ganzheitliche Förderung innerhalb ihrer Familie oder in Gastfamilien zu begleiten, ohne sie von ihrem Lebensumfeld zu trennen. Die Organisation folgt dem Ansatz, dass Familien und Gemeinschaften besser als jeder andere in der Lage sind, die wichtigsten Bedürfnisse ihrer Kinder zu erkennen und die erforderlichen Ressourcen zu mobilisieren. 

Die Situation vor Ort:

Die Regierung Kongos bekennt sich oft zu einer inklusiven Bildung und dennoch fehlt es an zahlreichen Ressourcen, um eine inklusive, qualitativ hochwertige Bildung zu ermöglichen. Mit dem eingeschränkten Zugang zu Bildung, erschweren sich auch die wirtschaftlichen und sozialen Möglichkeiten.

Die sozialen Einstellungen seitens der Eltern, Schulleiter*innen und Gesellschaft sind ein starker Treiber dafür, dass Kinder mit Behinderung in ihrem Zugang zur Bildung beschränkt sind. Ihre Fähigkeiten und ihr Beitrag für die Gesellschaft werden häufig unterschätzt. Behinderung wird nach traditionellen Überzeugungen mit Hexerei in Verbindung gebracht. Behinderte Familienangehörige werden aus Scham zu Hause verborgen.  Dazukommt: In fast allen Regelschulen fehlt eine angepasste Infrastruktur, Hilfsmittel und Schulmaterialien, um Kindern mit Behinderungen die Teilnahme zu ermöglichen. Mit dem eingeschränkten Zugang zu Bildung, erschweren sich auch die wirtschaftlichen und sozialen Möglichkeiten.

Uvira-Stadt umfasst etwa 400.000 Einwohnern (im Vergleich: Essen hat um die 590.000 Einwohner). Unser Projektpartner ADED ermittelte, dass darunter 982 Kinder und junge Personen mit Behinderungen im Alter von 0-33 Jahren sind. Nur 5% der schulpflichtigen Kinder mit Behinderung besuchen die Schule.  Das liegt auch daran, dass die Regelschulen in Uvira City noch nicht auf eine inklusive Bildung eingestellt sind.

Das Projekt:

Das Projekt beschäftigt sich zum einen mit der Grundschule Saint-Pierre, die in einer inklusiven, qualitativ hochwertigen Bildung gefördert werden soll. Zum anderen umschließt es die berufliche Ausbildung für gefährdete Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderungen im Kasenga-Viertel in der Stadt Uvira. Wie sieht das konkret aus?

  • Das Bewusstsein für inklusive Anliegen wird geschärft, insbesondere bei führenden Persönlichkeiten der lokalen Gemeinschaften, lokale Bildungsbeamte, Lehrer*innen und Eltern.
  • Die Infrastruktur der Grundschule Saint-Pierre wird inklusiver gestaltet.
  • Die Schule wird so ausgestattet, dass jedes Kind effektiv lernen kann (z.B. Braille-Schrift).
  • Die Lehrkräfte werden angemessen ausgebildet und unterstützt, damit sie ihre Lehrmethoden anpassen können.
  • Die Möglichkeiten zur Beschäftigung in einkommensschaffenden Aktivitäten für Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderungen, die keine Schulbildung erfahren konnten, werden gestärkt und unterstützt.
  • Förderung von Selbsthilfegruppen als lokales Unterstützungssystem für Menschen mit Behinderungen.

Ziele:

Das Projekt soll so zur Verbesserung der Bildung, Berufsausbildung und Integration von Kinder und Jugendlichen mit und ohne Behinderung im Kasenga-Viertel in der Stadt Uvira beitragen. Das heißt:

  • Die Stigmatisierung von Kindern und Jugendlichen mit Behinderung nimmt ab und das "gesellschaftliche Klima" für ihre Rechte und Anliegen wird angenehmer.
  • Die sozioökonomische Lebenssituation von nicht eingeschulten Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen sowie ihren Familien wird verbessert. Sie beteiligen sich an einkommensschaffenden Tätigkeiten und können somit ihren Lebensunterhalt sicherstellen.
  • Die inklusive Bildung, sowohl Schul- als auch Berufsausbildung, wird verbessert. Der Zugang wird erleichtert, die Qualität des Lehrangebots ist besser und die Fähigkeiten der Lehrkräfte ist gestärkt.

Für all dies benötigen wir Ihre Unterstützung und freuen uns auch über kleine Beträge: 

IBAN: DE 62370205000008040704 

BIC: BFSWDE33XXX (Köln)

Stichwort: Spende DR Kongo

Aziza (in der Mitte) bat darum mit ihren Geschwistern abgebildet zu werden. Sie hat eine motorische Beeinträchtigung und ist eine der 50 Kinder mit und ohne Behinderungen aus der Grundschule St. Pierre, die durch das Projekt Unterstützung erhielten. <br />

Aziza (in der Mitte) bat darum mit ihren Geschwistern abgebildet zu werden. Sie hat eine motorische Beeinträchtigung und ist eine der 50 Kinder mit und ohne Behinderungen aus der Grundschule St. Pierre, die durch das Projekt Unterstützung erhielten.

Links sieht man die alten, heruntergekommenen Schultoiletten. Rechts sieht man einen Teil der neuen, barrierefreien Schultoiletten.

Links sieht man die alten, heruntergekommenen Schultoiletten. Rechts sieht man einen Teil der neuen, barrierefreien Schultoiletten.

Jugendliche mit und ohne Behinderung bei der Mechanik-Ausbildung

Jugendliche mit und ohne Behinderung bei der Mechanik-Ausbildung

Zwei Männer  arbeiten an der Herstellung von Körben. Ein Beispiel für einkommensschaffende Tätigkeiten.

Zwei Männer arbeiten an der Herstellung von Körben. Ein Beispiel für einkommensschaffende Tätigkeiten.