Behinderung und Entwicklungs­zusammen­arbeit e.V.

Wie kann eine inklusive Bildung für nachhaltige Entwicklung an Grundschulen ganzheitlich umgesetzt werden?

Ergebnisse des Projekts „Whole School Approach (WSA): Anwendung eines Leitfadens zur Verankerung einer inklusiven Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) in Grundschulen“

Das Konzept der „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ (BNE) zielt auf die Vermittlung von Kompetenzen, um aktuelle sowie künftige Generationen auf die globalen Herausforderungen der Zukunft, wie z.B. politische und gesellschaftliche Veränderungen oder den Klimawandel vorzubereiten. Da es wesentlich ist, dass alle Menschen ihr Verhalten und ihre Lebensweise nachhaltig verändern, ist eine inklusive Gestaltung dieses Bildungsansatzes notwendig. Im „Whole School Approach“ (WSA) werden sowohl Inklusion als auch Bildung für nachhaltige Entwicklung ganzheitlich, als Aufgabe der gesamten Schule, gedacht. Unter dem Leitbild einer inklusiven und nachhaltigen Entwicklung werden alle Aktivitäten einer Schule gebündelt. Von der Schulkultur sowie dem Unterricht, bis hin zu ergänzenden Aktivitäten und Angeboten, werden alle Bereiche der Schulentwicklung durch den WSA adressiert.

Nachdem bezev Anfang 2019 den Leitfaden „Bildung für nachhaltige Entwicklung inklusiv als Aufgabe der ganzen Schule. Eine Handreichung mit praktischen Anregungen für Grundschulen“ veröffentlicht hat, sollte mithilfe dieser Publikation in einem Folgeprojekt inklusive BNE im Sinne des Whole School Approachs an Grundschulen weiter gestärkt werden.

Vom Prinzip her handelt es sich sowohl bei Inklusion, als auch bei BNE um Konzepte, deren Umsetzung stark von der Mitwirkung möglichst aller am Schulleben Beteiligten, profitiert. Dementsprechend verfolgt der Leitfaden die Idee, eine inklusive BNE in allen Bereichen der Schule zu verankern (Schulmanagement/Organisationsentwicklung, Unterrichtsentwicklung oder Personalentwicklung). Mit diesem Ansatz werden die Herausforderungen, die dieser Veränderungsprozess für die Schulen mit sich bringt, ganzheitlich adressiert, wodurch eine möglichst große Wirkung und Akzeptanz in allen Schulbereichen erreicht werden soll.  Inklusion und nachhaltige Entwicklung sollen als Aufgabe Aller betrachtet werden.

Das Projekt (Oktober 2019 – November 2020) zielte darauf ab, anhand des praktischen Fragenkatalogs aus dem Leitfaden, an zwei bis vier kooperierenden Schulen einen Strategieentwicklungsprozess hin zu einer Verankerung einer ganzheitlichen inklusiven BNE in allen Bereichen des Schullebens zu beginnen.

Die im Folgenden genannten Ergebnisse entstanden in Workshops an den Schulen. Nachdem in einem ersten Schritt der Status Quo der Schulen in Form einer umfassenden Mindmap ermittelt wurde, konnte in den Workshops hieran angeknüpft werden. Coronabedingt mussten einige Aktivitäten online stattfinden.

Eine Mindmap einer teilnehmenden Schule

Um auf kurze und ungezwungene Weise das Vorwissen der Teilnehmenden abzufragen, wurde via Online-Tool ein schnelles Brainstorming zum Thema „Inklusive BNE“ durchgeführt. Es zeigte sich, dass eine kurze Erläuterung der Konzepte von „Inklusion“ und „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ als Aufgabe der ganzen Schule sinnvoll war.

Eine „Word-Cloud“ zum Thema „Inklusive BNE“ aus einem der Workshops

An beiden Schulen, an denen Workshops durchgeführt wurden, wurde partizipativ beschlossen, auf welchem Bereich der Schulentwicklung am Workshoptag der Fokus liegen wird. Anhand der jeweiligen Fragen aus dem Leitfaden wurden weitere Potentiale für inklusive BNE an den Schulen identifiziert, indem die Teilnehmenden mithilfe eines Online-Tools darüber abstimmten, welche Fragen ihrer Einschätzung nach, die mit dem größten Potential sind. Hierfür wurde der Fragenkatalog des Leitfadens in eine Onlineplattform übertragen. Mithilfe ihrer Smartphones erhielten die Lehrkräfte Zugriff auf den Online-Fragenkatalog und konnten dort über die einzelnen Fragen abstimmen.

Auszug aus dem Online-Fragenkatalog

Beide Schulen entschieden sich, an den Workshoptagen den Bereich der Unterrichtsentwicklung bearbeiten zu wollen, da hier in der aktuellen Situation am meisten Potential für eine möglichst direkte Umsetzung gesehen wurde. Die in diesem Artikel präsentierten Methoden und Vorgehensweisen lassen sich jedoch genauso für die beiden anderen Bereiche einer Schule anwenden. 

In einem lösungsorientierten, mehrschrittigen Prozess wurden im weiteren Verlauf Ideen gesammelt, mit denen die drängendsten Fragen aus dem Fragenkatalog adressiert werden konnten. Auf Flipchart-Seiten wurden die fünf Fragen notiert, für die am häufigsten gestimmt wurde. Darunter wurde jeweils eine Tabelle erstellt, in der Lösungsansätze festgehalten wurden. Schließlich wurden der nötige Bedarf sowie der Aufwand für die mögliche Lösungsidee eingeschätzt, um die Umsetzbarkeit zu ermitteln.

Beispielhafte Darstellung eines Arbeitsbogens, wie sie bei den Workshops auf Flipcharts erstellt wurden

Nachdem auf diese Weise zahlreiche Umsetzungsvorschläge gesammelt wurden, besprachen die Teilnehmenden gemeinsam, welche Ideen in den kommenden Wochen tatsächlich umgesetzt werden sollten. Folgenden Ideen für den Bereich der Unterrichtsentwicklung wurden für die Umsetzung an den Schulen festgehalten:

1. Das Kollegium einer teilnehmenden Schule erarbeitete Möglichkeiten, dass Kinder sich auch politisch und ethisch bilden:

  • z.B. Logo-Nachrichten schauen beim Offenen Anfang zu Beginn einer Unterrichtsstunde?
  • Philosophische Tagesfrage, die zu Beginn des Tages in der Runde mit den Schüler*innen besprochen wird.



Beispiel eines Flipcharts mit Lösungsansätzen aus einem Workshop

Je nach technischer Ausstattung einer Schule oder einzelner Klassenräume bieten die Vorschläge unterschiedliche, aber gleichwertige Zugänge.

2. Bei der thematischen Unterrichtsplanung soll zunehmend fächerübergreifend gedacht und das Fachkollegium eingebunden werden (Sport, Kunst, Musik), um die Inhalte aus z.B. dem Sachunterricht in anderen Fächern aufzugreifen.

3. Damit verstärkt jahrgangsübergreifend unterrichtet wird, wurden an einer Schule häufigere Projektwochen vereinbart, bei denen die Themenfindung partizipativ mit den Schüler*innen erfolgen soll.

Weiteres Beispiel eines Flipcharts mit Lösungsansätzen aus einem Workshop


4. Im Kollegium soll ein verstärkter Austausch über Unterrichtsmethoden und Differenzierungen für Schüler*innen mit Unterstützungsbedarfen erfolgen, damit in Vertretungssituationen, Lehrkräfte wissen, wie die*der Klassenlehrer*in unterrichtet. Außerdem sollen Differenzierungen von Unterrichtsmaterial für alle Lehrkräfte zugänglich gemacht werden, damit Folgejahrgänge auf Adaptionen des Lehrmaterials aus den Vorjahren zurückgreifen können und diese nicht jedes Jahr neu erstellt werden müssen.

5. Die Lehrkräfte sollen hierfür auch gegenseitig im Unterricht der Kolleg*innen hospitieren.

6. Freie Unterrichtseinheiten, in denen die Schüler*innen selbst entscheiden, was sie lernen möchten, wurden beschlossen:

  • Eine Schule erstellte eine Bedarfsanalyse an Bänken sowie Unterbringungsmöglichkeiten für Jacken und Taschen. Regelmäßige „Aufräumtage“ wurden vereinbart.
  • Bei der Unterrichtsplanung soll fest eine Loberunde eingeplant werden. Ein standardisiertes, klassenübergreifendes Feedbacksystem soll etabliert werden.

7. Hervorgehoben wurde weiterhin die Möglichkeit, auf zahlreiche externe Partner zuzugehen. Eine Schule berichtete von Abfallvermeidungsseminaren, für die externe Berater*innen zu den Lernenden kamen. Daneben stehen Angebote von Organisationen wie z.B. Bildung trifft Entwicklung (BTE) zur Verfügung, deren Fokus verstärkt in der entwicklungspolitischen Bildungsarbeit unter Berücksichtigung einer globalen Perspektive liegt. Auch bezev kann im Rahmen von Projektwochen oder -tagen Workshops in Grundschulen mit den eigenen inklusiven Bildungsmaterialen zu den Themen „Wasser“ und „Fairer Handel“ durchführen.

Beim abschließenden Vernetzungstermin sprachen sich die teilnehmenden Schulen Mut zu, Freiheiten zu nutzen. Freiheiten, von denen ihnen mehr zur Verfügung stehen, als sie sich oft zugestehen.

Coronabedingt konnten viele Maßnahmen in diesem Projekt nicht wie geplant durchgeführt werden. Dennoch können andere Schulen von der Vorgehensweise und den erarbeiteten Ideen in diesem Projekt profitieren und damit eigene Prozesse starten, um eine inklusive Bildung für nachhaltige Entwicklung als ganzheitlichen Ansatz in ihrer Schule umzusetzen.

Für Rückfragen zu diesem Vorhaben und zur Verwendung des Leitfadens „Bildung für nachhaltige Entwicklung inklusiv als Aufgabe der ganzen Schule“ steht bezev gerne zur Verfügung.

Kontakt:

ebling@bezev.de

Hier können Sie den Leitfaden "Bildung für nachhaltige Entwicklung inklusiv als Aufgabe der ganzen Schule" bestellen:
BNE inklusiv als Aufgabe der ganzen Schule