Behinderung und Entwicklungs­zusammen­arbeit e.V.

Corona-Hilfe

Wie verändert die Corona-Krise das Leben von Menschen mit Behinderung in Ländern des Globalen Südens?

Weltweit werden von Regierungen Maßnahmen ergriffen, um die Menschen vor der Corona-Pandemie zu schützen. Dabei ist es wichtig, dass diese Schutzmaßnahmen auch Menschen mit Behinderung erreichen und sie die notwendigen Informationen erhalten. Diese Schutzmaßnahmen führen gleichzeitig dazu, dass Menschen mit Behinderung ihre Einkommensquellen und dadurch ihre Existenzgrundlage verlieren.

Menschen mit Behinderung/Behinderung sind Teil der Risikogruppe und von den Auswirkungen der Corona-Krise in Ländern des Globalen Südens besonders betroffen.  Gemeinsam mit seinen Partnerorganisationen setzt sich bezev dafür ein, dass Menschen mit Behinderung/Beeinträchtigung in der Corona-Krise Zugang zu medizinischer Versorgung und Präventionsmaßnahmen bekommen. 

Wir erhalten in diesen Tagen Hilferufe von unseren Partnern, die z.B. in ihren Dorfgemeinschaften Schulungen für Hygienemaßnahmen durchführen und Hygieneartikel kaufen möchten. Um unsere Partner dabei zu unterstützen, sind wir auf Spenden angewiesen. 

Unterstützen Sie unsere Arbeit durch eine Spende! (Dieser Link führt zu einem Spendenlink mit dem Sie direkt für unsere Arbeit spenden können oder nutzen Sie die Kontoinformationen rechts.)

Mehr Informationen zu unseren Auslandsprojekten finden Sie hier: Auslandsprojekte

Unser Spendenkonto:

Stichwort: Corona-Hilfe

IBAN: DE 62370205000008040704

BIC: BFSWDE33XXX (Bank für Sozialwirtschaft)

Veronica Addy aus Ghana

Veronica Addy aus Ghana

Bericht von Voice Ghana zur Beschreibung der Lage

Voice Ghana ist langjähriger Partner von bezev. Die Selbstvertretungsorganisation von Menschen mit Behinderung setzt sich für die Rechte von Menschen mit Behinderung in Ghana ein. Sie unterstützen und begleiten über 60 Selbsthilfegruppen in der Volta Region (im Südosten Ghanas). Voice Ghana leistet Vernetzungsarbeit mit anderen Organisationen, und macht Aufklärung und Öffentlichkeitsarbeit zu Themen wie Inklusion, Geschlechtergerechtigkeit, HIV/AIDS.

Am 15. März 2020 meldete Ghana seinen ersten Fall des Corona-Virus. Die Regierung von Ghana hat seither Maßnahmen ergriffen, die darauf abzielen, die Öffentlichkeit zu sensibilisieren, die "Einschleppung" des Virus zu verhindern. Menschen mit Behinderungen in abgelegenen und benachteiligten Gemeinschaften erhalten jedoch schwer Zugang zu den Informationen, wie sie sich als Teil der Risikogruppe schützen können. Eine weitere Herausforderung ist, wie ein „Social Distancing“ für die Menschen mit Behinderungen, die stark von Unterstützung anderer abhängig sind, möglich ist. 

Als Organisation, die sich für die Rechte und die soziale Eingliederung von Menschen mit Behinderungen einsetzt, ist dies eine schwierige Situation. Es fehlt ihnen an Geld, um ihre Arbeit u.a. Gemeinde- und Hausbesuche bei Menschen mit Behinderungen zu verrichten, sie besser für die Präventionsmaßnahmen gegen das Virus zu sensibilisieren und wichtige Lebensmittel/Hygieneartikel zu verteilen.

Deswegen versucht Voice Ghana gerade jetzt mit den Menschen mit Beeinträchtigung in Kontakt zu bleiben, sie über Präventionsmaßnahmen aufzuklären und mit persönlicher Schutzausrüstung und Lebensmitteln zu unterstützen.

Voice Ghana benötigt dringend Spendengelder, um diese Aufklärungsarbeit fortzusetzen und Lebensmitteln und Hygieneartikel, wie zum Beispiel Seife, Masken oder Reis zu kaufen.

Kafui Adator

Kafui Adator

Korkuvi Prosper

Korkuvi Prosper

Be the Change Foundation in Elmina, Ghana

Die offizielle Nichtregierungsorganisation, die in Ampenyi, in der Central Region von Ghana, tätig ist, setzt sich für die Unterstützung von Kindern aus Familien mit armen Verhältnissen ein.

Aktuell unterstützen wir die Be the Change Foundation besonders bei ihrer Arbeit, die Bevölkerung über Gesundheits- und Hygienemaßnahmen aufzuklären und Masken und Desinfektionsmittel zu verteilen, um die Ausbreitung des Corona-Virus in der Bevölkerung einzudämmen. Mitarbeitende des Gesundheitswesens führen diese Aufklärungskampagnen und Beratungen über Hygienemaßnahmen nach WHO Standards vor Ort durch. Die Organisation benötigt dringend Spendengelder für den Kauf und die Verteilung von Schutzausrüstung und Hygieneartikel, wie Masken und Desinfektionsmittel, sowie für die medizinische Ausstattung einer Gesundheitseinrichtung vor Ort mit Krankenhausbetten und Sauerstoffgeräten.

Spenden Sie hier online: Spendenkampagne Corona

Spenden Sie für die Arbeit der "Be the change Foundation"

Spenden Sie für die Arbeit der "Be the change Foundation"

Sri Mayapur Vikas Sangha in Nadia, Indien

Die nichtstaatlichen Organisation Sri Mayapur Vikas Sangha setzt sich durch Bildung, Organisation und Bestärken der Frauen und Kinder in den armen, ländlichen Gebieten der Region Sri Mayapur für einen verantwortungsbewusstem Wohlstand dieser ein.

Sri Mayapur Vikas Sangha (SMVS) unterstützt 300 Frauen-Selbsthilfegruppen, mit etwa 3.000 Mitgliedern insgesamt, darunter auch Frauen mit Behinderung. Ihr Ziel ist es die Entwicklung der Region zu besseren Bedingungen zu fördern und gleichzeitig das natürliche und kulturelle Erbe der Region Sri Mayapur im Distrikt Nadia in Westbengalen zu erhalten.

Besonders in der aktuellen Corona-Krise unterstützt bezev die Organisation SMVS bei ihrer  Arbeit, die Menschen vor Ort in der Region Sri Mayapur vor Corona zu schützen. Die Organisation benötigt dringend Spendengelder für den Kauf und die Verteilung von Hygieneartikeln, wie Masken und Desinfektionsmittel. Auch die Aufklärung über Gesundheits- und Hygienemaßnahmen ist ihnen ein großes Anliegen.

Hier können Sie spenden: Spendenkampagne Corona

Unterstützen Sie Frauen mit Behinderung in Indien, spenden Sie für Sri Mayapur Vikas Sangha!

Unterstützen Sie Frauen mit Behinderung in Indien, spenden Sie für Sri Mayapur Vikas Sangha!

Stimmen aus Ländern des Globalen Südens

Wir möchten Menschen mit Beeinträchtigung/Behinderung aus dem Globalen Süden eine Stimme geben. Deswegen lassen wir sie an dieser Stelle zu Wort kommen und von ihrer Situation berichten.

„Das Leben ist sehr schwierig für mich im Moment, weil diejenigen, die mir geholfen haben, nun auch eingeschränkt sind und sich isolieren müssen. Zum Glück unterstützt mich noch meine Familie.“ Veronica Addy

 „Alle Dienste, die ich aufgrund meiner Beeinträchtigung benötige, wurden eingestellt. Das ist in meiner Situation sehr herausfordernd. Vor der Corona-Krise habe ich täglich Unterstützung von Freunden und Verwandten erhalten, aber jetzt steht alles still, sogar unser Handwerksbetrieb steht still. Ich kann mir meinen Lebensunterhalt nicht mehr verdienen und bekomme keinerlei staatliche Unterstützung!“ Kafui Adator

„Ich habe keine Kund_innen für mein Kunsthandwerk mehr und ich kann auch nicht reisen, um es zu verkaufen.“ Korkuvi Prosper

„Soziale Barrieren und Diskriminierungen von Menschen mit Behinderungen haben während der Pandemie enorm zugenommen.“ Suzy Attipoe

„Mein Arbeitgeber hat momentan keine Einnahmen mehr, weil soziale Zusammenkünfte verboten wurden. Meine aktuell größten Sorgen sind Arbeitslosigkeit und Hunger aufgrund der Pandemie.“ Mispa Helu

„Ich spüre mehr soziale Ausgrenzung, weil alle Angst haben mir näher zu kommen, wenn ich ihre Dienste benötige.“ Nikabo Rejoice

Suzy Attipoe

Suzy Attipoe

Mispa Helu

Mispa Helu

Nikabo Rejoice

Nikabo Rejoice

Stimmen der Freiwilligen

„Mama, soll ich dir noch Klopapier aus Mexiko mitbringen?“
Zehn weltwärts-Freiwillige mit und ohne Beeinträchtigung von Essener Verein aufgrund der Corona-Pandemie vorzeitig aus ihren Einsatzstellen im Ausland evakuiert.

Kevin Kleiber hatte einen Freiwilligendienst in Mexiko von 12 Monaten geplant, er wollte ihn sogar um ein Jahr verlängern. Jetzt musste der Dienst in einer Organisation für Menschen mit Beeinträchtigung nach sieben Monaten vorzeitig beendet werden. Er ist einer von zehn Freiwilligen, die bis Mitte März über die Essener Entsendeorganisation Behinderung und Entwicklungszusammenarbeit e.V. (bezev) ihren weltwärts-Freiwilligendienst in Mexiko, Ecuador, Peru und Ghana absolviert haben und aufgrund der Corona-Pandemie vorzeitig nach Deutschland zurückgeholt werden mussten. Diese Entscheidung hatte das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), das den Freiwilligendienst fördert, für alle entsandten weltwärts-Freiwilligen erlassen. 

Für die Freiwilligen eine herausfordernde Situation. Denn eigentlich habe sie ja gar nicht zurückgewollt und kaum Zeit gehabt, sich auf die Rückkehr vorzubereiten, berichtet Hannah Stolp, eine Ghana-Freiwillige. Innerhalb weniger Tage musste sie sich verabschieden und ihre Koffer packen. Kevin Kleiber dagegen nutzte seinen letzten Tag in Mexiko, um sich die Haare schneiden zu lassen, da die Friseure in Deutschland bereits geschlossen waren. Bei seinem letzten Supermarktbesuch rief er seine Mutter an und fragte: „Hast du noch Klopapier, hier gibt es noch welches. Soll ich dir welches mitbringen?“

Das wieder in Deutschland ankommen ist für Kevin Kleiber nicht leicht gewesen. „Ehrlich gesagt, geht es mir nicht gut. Das ist ein Umstand, an den ich mich nicht gewöhnen kann und auch nicht gewöhnen möchte. Ich habe mich in Mexiko sehr wohl und auch zuhause gefühlt. Vor allem vermisse ich meinen autonomen Alltag dort“, berichtet Kleiber weiter. Auch dass er jetzt hier zu der Risikogruppe zählt, sei ein komisches Gefühl, zumal er „nur“ eine Tetraspastik habe, die keine Einschränkungen im Bereich der Herz- und Lungenfunktion mit sich bringt. 

Kevin Kleiber ist einer von drei Freiwilligen mit einer Beeinträchtigung in diesem Freiwilligenjahrgang von bezev. Der Verein bietet den Freiwilligendienst „weltwärts alle inklusive“ an. Dieser soll jungen Erwachsenen mit und ohne Beeinträchtigung ermöglichen einen Freiwilligendienst im Ausland zu absolvieren. 

Aktuell engagiert sich Kevin Kleiber für bezev und nimmt online Spanischunterricht, um nicht aus der Übung zu kommen. Andere Freiwillige nähen Masken, um Spenden für ihre ehemaligen Einsatzstellen zu sammeln. 

Lotta Segbers erzählt im Interview, dass sie nach ihrer Rückkehr aus Ghana zwei Wochen lang bei ihrer pflegebedürftigen Oma gelebt hat, da die Assistenz ausgefallen war. Sie ist die ganze Zeit über die sozialen Netzwerke im Kontakt mit den in Ghana neu gewonnenen Freunden. Die Unsicherheit über die Zukunft ist auch in den Einsatzländern groß. Aber eine Panik, wie sie hierzulande teilweise zu spüren war, sei dort nicht ausgebrochen, berichtet sie. Die Regierung Ghanas habe beispielsweise sehr früh die Schulen geschlossen, das Händeschütteln untersagt und am Flughafen Ein- und Ausreisende nach Symptomen befragt, noch bevor in dem Land selbst Corona-Fälle bestätigt wurden. Für die Schülerinnen und Schüler der Schule für Hörgeschädigte und Gehörlose, an der Hannah Stolp und Lotta Segbers gearbeitet haben, sei die Situation aufgrund von Corona nicht leicht. Häufig könne in den Familien der Schüler und Schülerinnen niemand Gebärdensprache, deswegen stelle die Schule für sie mehr als nur Unterricht dar. Es ist der Ort, wo sie Freundschaften schließen und in ihrer Sprache kommunizieren können. Die Lehrkräfte vor Ort versuchen mögliche Alternativen zu finden, doch es fehlt an materiellen und finanziellen Mitteln, um beispielsweise Laptops für einen Online Unterricht zu kaufen. 

Trotz der unfreiwilligen Ausreise wünscht sich Kevin Kleiber Anerkennung für „die Leistung, welche die Politik erbracht hat […] und das Menschen erkennen, wie gut wir es haben, allein nur deswegen, weil wir in Deutschland leben und auf dieses Gesundheitssystem zurückgreifen dürfen.“

Die Hoffnung ist bei allen Interviewten groß, bald wieder in die Einsatzstellen zurückfliegen zu dürfen. Eine Entsendung der neuen Freiwilligengeneration wird aktuell für den Herbst dieses Jahres geplant. Dies ist jedoch von den weiteren Entwicklungen der Pandemie abhängig und wird nur bei einer sicheren Ausreise möglich sein. 

Hannah und Lotta mit ihren Freunden am Flughafen in Ghana

Hannah und Lotta mit ihren Freunden am Flughafen in Ghana

Kevin Kleiber in Mexiko

Kevin Kleiber in Mexiko

Kevin im Flugzeug

Kevin im Flugzeug