Institut für inklusive Entwicklung

Bildung ohne Ausgrenzung

Dokumentation der internationalen Tagung "Bildung ohne Ausgrenzung" vom 25. - 27. November 2009 in Bonn.

Die Tagung "Bildung ohne Ausgrenzung" fand im November 2009 in Bonn-Bad Godesberg statt. In zwei Veranstaltungen wurde aufgezeigt, wie Bildung für Alle nachhaltig und inklusiv gestaltet werden kann. Ein Bildungsmarkt zeigte die Bandbreite des Globalen Lernens und Engagements an Förderschulen und in Deutschland sowie inklusive Bildungsprojekte aus der ganzen Welt. Hier finden Sie: die Vorträge der beiden Tagungen, den Fachbericht zur Tagung und Fotos und Projektbeispiele von Förderschulen, die Globales Lernen verwirklichen.

Das Tagungsprogramm (deutsch/ englisch) finden Sie hier:

Bildung ohne Ausgrenzung (pdf, 1 MB)

Education without Exclusion (pdf, 2 MB)

Die Tagung lief unter dem Motto: "Bildung ohne Augrenzung".

Die Tagung lief unter dem Motto: "Bildung ohne Augrenzung".

Vorträge der internationalen Tagung "Inklusive Bildung: Auf dem Weg zu einer Bildung für Alle"

Die UN-Dekade “Bildung für nachhaltige Entwicklung” orientiert sich nicht nur an den Zielen der Weltgipfel von Rio 1992 und Johannesburg 2002, sondern auch an den „Millennium Entwicklungszielen“ in der Millenniumserklärung der Vereinten Nationen (2000).

Darin hat sich die internationale Gemeinschaft verpflichtet, bis zum Jahre 2015 allen Kindern eine grundlegende Bildung zukommen zu lassen. Diese Verpflichtung schließt auch marginalisierte Gruppen ein. Dies betrifft in besonderer Weise Kinder und Jugendliche mit Behinderung, von denen in Entwicklungsländern nach Schätzungen der UNESCO lediglich 1-5 % Zugang zu Grundbildung haben. Eine Grundbildung für Alle kann nicht erreicht werden, wenn vulnerable Gruppen ausgeschlossen bleiben. Das Recht jedes Menschen auf Bildung ist bereits in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte vom 10. Dezember 1948 verankert. Mit der Menschenrechtskonvention der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderung (2008) wird das Recht auf eine inklusive Bildung zugesprochen. Das Konzept der inklusiven Bildung beinhaltet den Anspruch, allen Kindern und Jugendlichen eine qualitativ gute Bildung zukommen zu lassen, unabhängig von Geschlecht, Alter, Religion, ethnischer Zugehörigkeit, geographischen Gegebenheiten, besonderen Lernbedürfnissen, sozialen und ökonomischem Status, etc. Dies bedeutet, dass Lernbedingungen so gestaltet werden müssen, dass jedes Kind seine Potenziale entwickeln und entfalten kann. Wie inklusive Bildung umgesetzt werden kann, vor allem vor dem Hintergrund begrenzter Ressourcen in ärmeren Ländern, wurde im Rahmen der Tagung vorgestellt. Was sind die Voraussetzungen inklusiver Bildungssysteme, welche Erfahrungen liegen bereits vor, wo liegen die Herausforderungen und wie können sich Bildungsprojekte zu inklusiven Projekten entwickeln? Die Spannbreite der Tagung reicht dabei von der vor-schulischen Bildung über die Primarbildung bis hin zur post-primären Bildung und dem Übergang in den Beruf. Vorträge, die auf der Internationalen Tagung "Inklusive Bildung: Auf dem Weg zu einer Bildung für Alle" gezeigt wurden:


Vorträge der Tagung "Globales Lernen und Engagement in der Förderschule“

Im Zeitalter der Globalisierung beeinflussen die Auswirkungen globaler Veränderungen unser Leben unmittelbar. Dies wird besonders deutlich für die Folgen der Klimaveränderung und wirtschaftlicher Prozesse.

Bereits in dem 1987 von der Brundtland-Kommission vorgelegten Bericht wurde deutlich, dass die industriegesellschaftliche Lebens- und Wirtschaftsweise keine Zukunftsfähigkeit besitzt. Auf der Weltkonferenz für Umwelt und Entwicklung – dem Erdgipfel in Rio 1992 - wurde das Bekenntnis zu einer nachhaltigen Entwicklung umfassend verankert. Die Bewahrung der globalen Ökosysteme wurde mit weltweiter Armutsbekämpfung und sozialer Gerechtigkeit auf nationaler und internationaler Ebene verknüpft. Eine nachhaltige Entwicklung ist darauf ausgerichtet, die Lebensqualität der gegenwärtigen Generation zu sichern und gleichzeitig die Zukunftsfähigkeit der folgenden Generationen zu erhalten.

Um nachhaltiges Denken und Handeln weltweit zu entwickeln und zu verankern haben die Vereinten Nationen für die Jahre 2005 bis 2014 die Weltdekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ ausgerufen. Vision der Weltdekade ist es, „allen Menschen Bildungschancen zu eröffnen, die es ermöglichen, sich Wissen und Werte anzueignen sowie Verhaltensweisen und Lebensstile zu erlernen, die für eine lebenswerte Zukunft und eine positive gesellschaftliche Veränderung erforderlich sind“. Die deutsche Bundesregierung verfolgt nachdrücklich das Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung. Zur Verankerung einer Bildung für nachhaltige Entwicklung im Unterricht haben die Kultusministerkonferenz (KMK) und das Bundesministerium für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (BMZ) 2007 den Orientierungsrahmen für den Lernbereich Globale Entwicklung herausgegeben, der die pädagogisch-didaktischen Herausforderungen auch für Förderschulen und den integrativen Unterricht benennt. Nachhaltige Entwicklung braucht das Engagement aller Menschen. Dies bezieht sich auch auf Menschen mit Behinderung, und im Kontext Schule, auf Kinder und Jugendliche mit Behinderung. In Deutschland besuchen ca. 85 % der Kinder und Jugendlichen mit Behinderung eine Förderschule. Förderschulen und Schulen im Gemeinsamen Unterricht engagieren sich bundesweit im Bereich des Globalen Lernens und/oder unterstützen Projekte in den so genannten Entwicklungsländern. Im Rahmen der Tagung werden solche Initiativen vorgestellt. Ziel ist es aufzuzeigen, wie sich Förderschulen in diesem Bereich engagieren, gleichzeitig sollen weitere Schulen ermuntert werden, in diesem Bereich tätig zu werden. Nachhaltige Entwicklung ist ein Thema für jeden und in der Verantwortung eines jeden Menschen. Auch Menschen mit Behinderung können und wollen einen Beitrag dazu leisten. 

Vorträge der Tagung „Globales Lernen und Engagement in der Förderschule – Haben wir nicht andere Probleme?“:


Bildungsmarkt

Auf dem Bildungsmarkt wurden bestehende Projekte, verschiedene Herangehensweisen, Projekte und Materialen zu den Themenbereichen präsentiert, auch um einen Austausch und eine Vernetzung verschiedener Organisationen, Gruppen, Personen untereinander und mit Besucher*innen zu ermöglichen.
Er wurde offiziell eröffnet vom Bonner Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch.

Folgende Organisationen nahmen mit eigenem Stand am Bildungsmarkt teil:

  • Die Deutsche UNESCO-Kommission sowie das „International Bureau of Education“ der UNESCO in Genf präsentierten verschiedenes Material wie Flyer, Bücher, Berichte, Informationsbroschüren, Projektinformation etc. im Bereich inklusive Bildung, Bildung zur nachhaltigen Entwicklung sowie den „Education for All“-Zielen und dem Engagement der UNESCO in verschiedenen Ländern.
  • Der Deutsche Entwicklungsdienst zeigte Material im Bereich Bildung zur nachhaltigen Entwicklung und Kooperationen, die in diesem Bereich bestehen.
  • Die Christopherusschule Bonn – Förderschule mit Förderschwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung - gab einen Einblick in ihre bestehende Schulpartnerschaft mit einer Förderschule in Tunesien und zeigte u.a. Fotos und Berichte von den stattgefundenen Begegnungen in Deutschland und Tunesien.
  • Handicap International Deutschland zeigte u.a. ihre Ausstellung zum Thema „Inklusive Bildung“ und präsentierte Material zum Thema Minen und anderes Informationsmaterial zu verschiedenen Themen im Bildungsbereich und Projekten von Handicap International Deutschland. Handicap UK stellte Material über ihre Arbeit in so genannten Entwicklungsländern zur Verfügung.
  • Die Kindernothilfe präsentierte ihre Ausstellung über die Situation von Kindern in so genannten Entwicklungsländern und informierte an ihrem Stand über deren Situation. Dabei lag ein Schwerpunkt auf dem Bereich Bildung.
  • Enabling Education Network (EENET) zeigte Materialien über das Netzwerk selbst, die Projekte und Aktivitäten sowie Berichte und Information zum Thema inklusive Bildung weltweit.
  • Tobi’s Business Agency produziert inklusives Lernmaterial für Englisch, welches allen Kindern und Jugendlichen, ob mit oder ohne Behinderung, das Erlernen von Englisch ermöglichen soll.
  • Barrierfrei kommunizieren stellte vor, wie Medien so gestaltet werden können, dass sie möglichst allen Menschen zugänglich sind.
  • Das Centre for Disability in Development aus Bangladesch präsentierte Projekte, Programme, Herangehensweisen und Materialien aus dem Bereich der inklusiven Bildung im schulischen, außerschulischen sowie berufsbildenden Bereich.
  • Die Montagsstiftung stellte Material über ihre Ausstellung “Pädagogische Landschaften” zur Verfügung.
  • Die Harding Special School ist eine Förderschule in Südafrika, welche zeigte wie man sich trotz stark begrenzter Mittel für soziale, ökologische und ökonomische Nachhaltigkeit einsetzen kann.
  • Die Pädagogische Werkstatt Gera engagiert sich u.a. im Bereich Bildung zur nachhaltigen Entwicklung und gab Einblicke in ihre Arbeit mit Schulen am Beispiel eines Afrikaprojekts und anderen Projekten.
  • Das Eine Welt Netz Thüringen informierte u.a. zu entwicklungspolitischer Bildungsarbeit und globalem Lernen sowie über andere Aktivitäten des Netzes.
  • Das Medical Committee Netherlands-Vietnam präsentierte die Arbeit des Kommittees in Vietnam im Bereich inklusive Bildung.
  • Viataal/Royal Dutch Kentalis arbeitet in den Niederlanden mit Kindern mit Sinnesbehinderungen und engagiert sich auch für Kinder in so genannten Entwicklungsländern. Im Rahmen ihres Standes zeigten sie, wie dort gute Kooperationen mit anderen Organisationen aussehen können, die sich auch für Kinder mit Behinderungen einsetzen.
  • Abenteuer Lernen e.V. präsentierte seine Lernmaterialien, Projekte und Programme, welche in verschiedenen Bereichen z.B. in der Naturwissenschaft oder Philosophie angesiedelt sind. Abenteuer Lernen e.V. zeigte u.a. inwieweit man Nachhaltigkeit in seiner Arbeit mit Kindern und Jugendlichen verankern kann.
  • Die Stephen-Hawking-Schule zeigte, wie sie Kaffeebauer in Nicaragua unterstützt, indem sie den dort produzierten Kaffee in Deutschland vermarkten. Zusätzlich unterstützen die Schüler/innen die Kinder von Kaffeebauern, indem sie Geld spenden, damit diese zur Schule gehen können.
  • bezev stellte verschiedene Materialien aus zum Thema Behinderung in so genannten Entwicklungsländern, inklusive Bildung, globales Lernen und Bildung zur nachhaltigen Entwicklung.

Der Bildungsmarkt wurde von den Teilnehmer/innen der Tagung sehr positiv aufgenommen, es wurden Kontakte geknüpft, über Bestehendes informiert sowie Formen und Möglichkeiten von Engagement in verschiedenen Bildungsbereichen aufgezeigt.